Wasserstoff wird zunehmend als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende erkannt – und sein Potenzial reicht weit über das hinaus, was vielen Menschen bewusst ist.
Um die Chancen und zukünftigen Entwicklungen in diesem Bereich besser zu verstehen, teilt unser Wasserstoff-Projektmanager Clemens Lantschner seine Perspektive, räumt mit verbreiteten Irrtümern auf und beleuchtet die Innovationen, die die Energielandschaft in den kommenden Jahren prägen könnten.
Welche Erkenntnis aus deiner Arbeit an Wasserstoffprojekten hat dich zu Beginn deiner Karriere besonders überrascht?
Eine wichtige Erkenntnis für mich war, dass Wasserstoffprojekte nicht nur eine technische Herausforderung sind, sondern in hohem Maße von Systemintegration, Schnittstellenmanagement und betrieblicher Erfahrung abhängen. Am Anfang konzentriert man sich oft auf einzelne Komponenten wie Elektrolyseure, Verdichter, Speichersysteme oder Zapfsäulen.
In der Praxis entscheidet jedoch das Zusammenspiel aller Komponenten darüber, ob ein System zuverlässig, sicher und wirtschaftlich betrieben werden kann. Besonders überrascht hat mich, wie wichtig Themen wie Regelungstechnik, Wartungskonzepte, Verfügbarkeit und die Abstimmung zwischen Lieferanten für den Erfolg eines Projekts sind.
Welcher Aspekt von Wasserstoff wird deiner Meinung nach am meisten unterschätzt – selbst innerhalb des Energiesektors?
Die Komplexität der gesamten Infrastruktur wird häufig unterschätzt. Wasserstoff ist nicht einfach ein Energieträger, der produziert und anschließend problemlos genutzt werden kann. Er muss sicher verdichtet, gespeichert, transportiert, gekühlt, gemessen und abgegeben werden.
Druckniveaus, Temperaturen, Reinheit, Sicherheitskonzepte und Normen spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Gerade Wasserstofftankstellen zeigen, dass die technische Umsetzung wesentlich komplexer ist, als sie von außen oft erscheint. Gleichzeitig wird auch die Bedeutung praktischer Betriebserfahrung für die langfristige Zuverlässigkeit der Systeme häufig unterschätzt.
Welche technologischen Entwicklungen werden deiner Meinung nach in den nächsten fünf bis zehn Jahren den größten Einfluss auf den Wasserstoffsektor haben – und warum?
Aus meiner Sicht werden die Skalierung von Elektrolyseuren, effizientere Verdichtungstechnologien sowie verbesserte Speicher- und Betankungssysteme einen großen Einfluss auf den Wasserstoffsektor haben.
Die zentrale Herausforderung wird darin bestehen, Wasserstoff in größeren Mengen wirtschaftlich und zuverlässig zu produzieren, zu verteilen und bereitzustellen. Digitale Überwachung, automatisierter Betrieb und vorausschauende Wartung werden ebenfalls zunehmend an Bedeutung gewinnen, da sie die Anlagenverfügbarkeit verbessern und die Betriebskosten senken können. Darüber hinaus werden standardisierte technische Lösungen und internationale Normen eine entscheidende Rolle dabei spielen, Projekte schneller, sicherer und kosteneffizienter umzusetzen.