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Experteninterview: Alberto Deambrogio über Umweltdienstleistungen

Umweltdienstleistungen: ein einziger Geschäftsbereich, der ein breites Spektrum an Leistungen vereint – von der In-situ- und Ex-situ-Sanierung über die Verwertung und Entsorgung von Abfällen bis hin zu Umweltnotfallmaßnahmen und Tankreinigungen.

In diesem Geschäftsbereich gibt es zahlreiche Aspekte zu entdecken. Deshalb haben wir Alberto Deambrogio, Projektmanager und Experte für Umweltdienstleistungen bei Petroltecnica, einige zentrale Fragen gestellt, um besser zu verstehen, welche Leistungen dieser Geschäftsbereich umfasst und wie viele unterschiedliche Fachkompetenzen erforderlich sind, um ein derart vielfältiges Tätigkeitsfeld zu steuern.

 

Wann ist eine Altlastensanierung wirklich abgeschlossen?

Die Frage, wann ein Sanierungsprojekt tatsächlich als abgeschlossen betrachtet werden kann, mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, erfordert jedoch eine umfassende Bewertung. In Italien sieht die Gesetzgebung einen Prozess vor, der mit der Standortuntersuchung und der Risikobewertung beginnt, sich über die Planung und Durchführung der Sanierungsmaßnahmen fortsetzt und mit der Überprüfung endet, ob die festgelegten Sanierungsziele erreicht wurden.

Eine Sanierung bedeutet nicht zwangsläufig, sämtliche Schadstoffe vollständig zu beseitigen. In vielen Fällen geht es vielmehr darum, die Schadstoffkonzentrationen zu reduzieren oder die Ausbreitungspfade zu unterbrechen, über die Schadstoffe Menschen oder die Umwelt erreichen könnten. Dadurch soll das damit verbundene Risiko auf ein akzeptables Maß gesenkt werden.

Der Abschluss der Arbeiten vor Ort bedeutet nicht automatisch, dass auch der gesamte Sanierungsprozess beendet ist. Beispielsweise können weitere Überwachungskampagnen erforderlich sein, etwa zur Kontrolle des Grundwassers, um sicherzustellen, dass die erzielten Ergebnisse stabil bleiben und weder eine erneute Kontamination noch eine Verlagerung von Schadstoffen stattfindet.

Letztendlich müssen die technischen Ergebnisse einen konkreten Mehrwert für den Standort schaffen: Eine Sanierung ist dann wirklich abgeschlossen, wenn das Gelände wieder sicher und entsprechend seiner vorgesehenen Nutzung verwendet werden kann, ohne dass unvertretbare Risiken für Menschen oder Umwelt bestehen. Dies kann bedeuten, dass industrielle Tätigkeiten unter vollständig sicheren Bedingungen fortgeführt werden können oder dass eine stillgelegte Fläche wieder nutzbar gemacht wird. Dadurch werden ihre Neuentwicklung und funktionale Wiederherstellung gefördert und die zusätzliche Inanspruchnahme von Flächen reduziert.

Mit anderen Worten: Der Erfolg eines Sanierungsprojekts bemisst sich nicht allein an den erreichten Umweltparametern, sondern vor allem daran, ob es gelingt, dem Gebiet eine sinnvolle, nachhaltige und langfristige Nutzung zurückzugeben.

 

Bei Sanierungsprojekten richtet sich die Aufmerksamkeit häufig auf die Arbeiten vor Ort. Wie entscheidend ist die Vorbereitungsphase für den Erfolg eines Eingriffs? Und wie verändert sich das Vorgehen, wenn schnelles Handeln erforderlich ist, beispielsweise bei einem Umweltnotfall?

Der sichtbarste Teil eines Sanierungsprojekts ist zweifellos die operative Phase: Maschinen, Behandlungsanlagen, Aushubarbeiten, Brunnen und andere Maßnahmen direkt vor Ort. Doch hinter jedem wirksamen Eingriff steckt stets umfangreiche Arbeit in den Bereichen Untersuchung, Planung und Vorbereitung.

Bevor eine Technologie ausgewählt werden kann, muss der Standort genau verstanden werden: Seine Geschichte muss rekonstruiert, die Kontaminationsquellen müssen identifiziert, die Eigenschaften von Boden und Grundwasser untersucht und die Ausbreitung der Schadstoffe sowie die potenziell betroffenen Schutzgüter ermittelt werden. Auf Grundlage dieser Informationen erstellen wir das sogenannte Standortmodell (Conceptual Site Model). Dieses Modell ist entscheidend für die fachgerechte Planung der Sanierungsmaßnahmen.

Eine gründliche Vorbereitungsphase ermöglicht es daher, die am besten geeignete Lösung auszuwählen, die Maßnahmen richtig zu dimensionieren, mögliche Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Umweltaspekte sowie technische, genehmigungsrechtliche, sicherheitsrelevante und wirtschaftliche Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. In einer Notfallsituation verschieben sich die Prioritäten. Wenn ein Ereignis das Potenzial hat, eine Kontamination zu verursachen, beispielsweise durch eine unfallbedingte Freisetzung von Schadstoffen, sieht das italienische Gesetzesdekret Nr. 152/2006 die unverzügliche Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen vor, um die Ausbreitung von Schadstoffen zu kontrollieren und einzudämmen.

Das Vorgehen ist in solchen Fällen dynamischer. Wir müssen schnell handeln, doch Schnelligkeit bedeutet keinesfalls Improvisation. Das erste Ziel besteht darin, die Situation unter Kontrolle zu bringen, die Schadstoffquelle zu stoppen oder einzudämmen und eine weitere Ausbreitung der Kontamination zu verhindern. Gleichzeitig sammeln wir die erforderlichen Informationen, um den Vorfall zu verstehen und die nachfolgenden Maßnahmen zur Sicherung des Standorts, zu seiner Untersuchung und – falls erforderlich – zu seiner Sanierung festzulegen.

In Notfallsituationen sind Erfahrung, fundiertes Urteilsvermögen und die Fähigkeit, schnell Entscheidungen zu treffen, von entscheidender Bedeutung.

 

Wann kann Abfall zu einer Ressource werden? Welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Material verwertet und wieder in den Produktionskreislauf eingebracht werden kann oder entsorgt werden muss?

Eine der bedeutendsten Veränderungen im Umweltsektor der vergangenen Jahre betrifft den Umgang mit Abfällen. Immer häufiger lautet die Frage nicht mehr nur: „Wie können wir dieses Material entsorgen?“, sondern vielmehr: „Können wir es verwerten und ihm einen neuen Wert verleihen?“

Dieses Prinzip spiegelt sich auch in den europäischen und italienischen Umweltvorschriften wider, die eine klare Abfallhierarchie festlegen: Abfallvermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling und sonstige Verwertungsverfahren haben Vorrang vor der Beseitigung, sofern sie technisch und ökologisch umsetzbar sind.

Allerdings kann nicht jeder Abfall automatisch zu einer Ressource werden. Ob ein Material verwertet werden kann, hängt in erster Linie von seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften, dem Vorhandensein möglicher gefährlicher Stoffe und der Frage ab, ob es durch ein geeignetes Behandlungsverfahren in ein Material mit definierten Eigenschaften umgewandelt werden kann, das anschließend sicher verwendet werden kann.

Doch technische Aspekte sind nicht die einzigen entscheidenden Faktoren. Ebenso muss geprüft werden, ob für das zurückgewonnene Material tatsächlich eine Verwendungsmöglichkeit besteht und ob die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind.

In diesem Zusammenhang kommt dem Konzept des „End-of-Waste“ eine besondere Bedeutung zu. Es bezeichnet den Zeitpunkt, an dem ein Abfall nach einem Verwertungsverfahren und unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen rechtlich seine Abfalleigenschaft verliert und wieder zu einem Produkt oder Material wird, das genutzt werden kann.

Die Entscheidung zwischen Verwertung und Entsorgung hängt somit vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab: der Materialqualität, der verfügbaren Technologie, der Umweltleistung, der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, dem tatsächlichen Wiederverwendungspotenzial und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

Für Unternehmen unserer Branche besteht die Herausforderung daher darin, die Grenzen der Entsorgung schrittweise zugunsten der Verwertung zu verschieben.

 

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